Häufig gestellte Fragen


Was ist Regio.Velo?

Beim Radschnellweg Regio.Velo handelt es sich um eine neue Verkehrsinfrastruktur, die die Städte Isselburg, Bocholt, Rhede, Borken, Velen, Gescher und Coesfeld sicher und komfortabel per Fahrrad und E-Bike miteinander verbindet. Regio.Velo soll in Zukunft das Rückgrat des regionalen Radwegenetzes im westlichen Münsterland bilden. Darüber hinaus bieten sich vielfache Anschlussmöglichkeiten an nationale und internationale Radwege.

Breite asphaltierte Radwege mit getrennten Fahrspuren verbinden weitgehend kreuzungsfrei Orte miteinander und machen es möglich, die Geschwindigkeiten von E-Bikes auf längeren Strecken wirklich auszureizen – Autobahnen für das Fahrrad. Die Niederlande machen es vor: Hier gehören sehr gut ausgebaute Radschnellwege mittlerweile zum Standard der Verkehrsinfrastruktur und bringen schon seit Jahren immer mehr Menschen auf das Zweirad.

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Welchen Mehrwert bietet ein Radschnellweg gegenüber gewöhnlichen Radwegen?

Vorteile gegenüber gewöhnlichen Radwegen:

  • Schnelligkeit: Direkte Verbindung und großzügig dimensionierte Wege zwischen den Städten
  • Sicherheit: Getrennte Führung vom Kfz-Verkehr, Vorfahrtsregelungen bei Querungen, Winterdienst und (streckenweise) Beleuchtung, ausreichende Dimensionierung für schnellen, sportlichen Radverkehr (Überholen) und Alltagsverkehr (Nebeneinanderfahren)
  • Komfort: angeknüpfte Verkehrsinfrastruktur (Ladestationen, Raststationen/-flächen etc.), Möglichkeit für Dauergeschwindigkeiten von 25 km/h, keine Abhängigkeit vom Kfz-orientierten Ampelbetrieb

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Werden sich Elektromobilität und insbesondere E-Bikes wirklich durchsetzen?

Die öffentliche Diskussion im Bereich Elektromobilität konzentriert sich auf das Auto. Während Elektromobilität beim Auto eher das „Downsizing“ von Fahrzeugen und die Entschleunigung des Verkehrs fördert, bringt Elektromobilität beim Fahrrad ein „Upsizing“ mit sich. Dadurch nähern sich beide Verkehrsmittelgruppen einander an und Attraktivitätsunterschiede werden verringert.

Der anfänglich kritisch betrachtete Trend der Elektromobilität im Fahrradverkehr hat sich seit einigen Jahren zu einem dynamischen Markt für die Fahrradindustrie entwickelt und das Nischendasein als „Randprodukt“ der E-Mobilität längst verlassen. Aktuell sind rund 1,3 Mio. elektrisch unterstützte Fahrräder in Deutschland unterwegs. Seit 2009 hat sich die Anzahl der jährlich verkauften Elektrofahrräder von 150.000 auf 380.000 im Jahr 2012 mehr als verdoppelt. Mit einem Anteil von 10 % im Jahr 2012 am Gesamtverkaufsmarkt aller Räder sind E-Bikes weiter ein stark boomendes Segment. (Quelle: ILS trends 3/2013)

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Wer fährt überhaupt mit dem E-Bike und warum?

Aus einer Umfrage des ADFC:

  • Meine täglichen Strecken sind zu lang für das Fahrrad. Mit dem E-Bike komme ich ohne zu schwitzen an.
  • Ich ziehe ein Kind im Anhänger hinter meinem Fahrrad. Die höhere Last schaffe ich mit dem E-Bike und kann so auf vielen kurzen Strecken das Kind mitnehmen und auf das Auto verzichten.
  • Mit dem E-Bike tue ich etwas für meine Gesundheit, weil ich mich bewege. Ich verbinde tägliche Aufgaben mit einem Fitnesstraining.
  • Das Fahrrad kann auf vielen Strecken das Auto ersetzen. Ein Elektrofahrrad erweitert die Reichweite noch einmal stark.
  • Ich bin körperlich beeinträchtigt. Die elektrische Unterstützung beim Treten hilft mir, länger durchzuhalten.
  • Mein Partner ist viel fitter als ich. Mit dem E-Bike kann ich wieder mithalten, und wir können gemeinsam mit mehr Freude Fahrrad fahren.
  • Ich muss nicht lange nach einem Parkplatz suchen und brauche auch weniger Platz zum Parken. Außerdem bin ich in der Stadt mit dem E-Bike viel wendiger als mit einem Auto.
  • Ich schone die Umwelt, weil ich im Vergleich zum Auto nur einen Bruchteil der Energie benötige.
  • Ich schone meine Mitmenschen, weil das E-Bike viel leiser ist als das Auto.
  • Ich erlebe die Umwelt neu, da ich nicht mehr im geschlossenen Fahrzeug sitze. So bekomme ich frische Luft, erlebe die Jahreszeiten, sehe mehr Details und bekomme neue Eindrücke.
  • Meine täglichen Strecken führen über mehrere Steigungen. Ohne E-Bike muss ich oft schieben.

Pedelecs (Pedal Electric Cycle) sind spezielle Ausführungen von Elektrofahrrädern (E-Bikes), bei denen der Fahrer von einem Elektroantrieb unterstützt wird. Sie erreichen eine maximale Geschwindigkeit von 25 km/h und sind mit einer Kilowattstunde Strom auf 100 Kilometer sehr energieeffizient. Um den Geschwindigkeits- und Reichweitenvorteil nutzen zu können, sind Pedelec-Fahrer auf Radwege angewiesen, auf denen sie überholen können. Die schnellere Variante sind die sogenannten S-Pedelecs. Diese E-Bikes benötigen ein Kennzeichen und gelten als Krafträder, weil sie auf bis zu 45 km/h beschleunigen. Insgesamt waren 2012 über 1,3 Millionen E-Bikes auf Deutschlands Straßen unterwegs.

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Wer wird den Radschnellweg nutzen? Wer fährt von Coesfeld oder Velen mit dem Fahrrad bis nach Isselburg zur Arbeit?

Das Projekt zielt nicht primär auf den regelmäßigen Nutzer der gesamten Strecke. Vielmehr bietet die optimierte Fahrradstrecke auf Teilabschnitten eine attraktive Alternative z. B. für Berufspendler oder auch die ca. 2.000 Studierenden an der Westfälischen Hochschule in Bocholt. Zusammen mit den neuen und dynamisch wachsenden Möglichkeiten der E-Mobilität vergrößert sich zudem die Reichweite eines Radfahrers bei gleichem Zeit- und Krafteinsatz erheblich. Dadurch wird das E-Bike für ganz neue Strecken und Nutzergruppen zu einer Alternative zum Auto.

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Der Radschnellweg soll auch für Lasttransporte interessant sein. Welche Lasten kommen in Frage?

Im innerstädtischen Raum lässt sich ein großer Teil der PKW-Kurierfahrten durch Transporte mit Lastenrädern ersetzen. Damit sind große Reduzierungen der Kosten und der Emissionen zu erzielen. Dabei ermöglichen E-Lastenräder eine Zuladung von über 100 kg und zugleich eine höhere Liefergeschwindigkeit als nichtmotorisierte Lastenräder.

Lastenräder wecken Interesse sowohl bei Auto- als auch bei Fahrradkurieren: Die elektrische Unterstützung und große finanzielle Einsparpotenziale machen für Autokuriere Elektro-Lastenräder zu einer interessanten Alternative. Für Fahrradkuriere ermöglicht der E-Antrieb den Zugang zum Markt um Autokurieraufträge.

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Das Projekt ist mit hohen Investitionskosten verbunden und es werden auch laufende Betriebskosten anfallen. Wer trägt diese Kosten?

Laut Koalitionsvertrag der Landesregierung soll zur Förderung des Radverkehrs die Trägerschaft der Baulast für überörtliche Radschnellwege in die Zuständigkeit des Landes fallen. Damit würde auch die Finanzierung der Investitions- und der Betriebskosten beim Land liegen. Voraussetzung hierfür ist eine entsprechende Änderung des Straßen- und Wegegesetzes NRW. Zudem muss landesseitig die Finanzierung für Neubau, Unterhaltung und Erhaltung gesichert werden.

Mitte 2013 hat der damalige Staatssekretär Gunther Adler die Absicht des Ministeriums für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes NRW erneuert, die Baulast für überörtliche Radschnellwege übernehmen und das Straßen- und Wegegesetz des Landes entsprechend anpassen zu wollen. Die Projektträger drängen darauf, dass diese erneute Zusage der Landesregierung mit Blick auf die weiteren kommunalpolitischen Beratungen und Beschlussfassungen frühzeitig weiter konkretisiert und normiert wird.

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Wie hoch sind die Kosten für die Planung und wer trägt sie?

Die Kosten der vertiefenden Machbarkeitsstudie, die bis zum Herbst 2015 vorliegen soll, werden nach gegenwärtigen Schätzungen auf ca. 250.000 € kalkuliert. Diese Summe wird mit einem Fördersatz von 80 % durch das Land NRW gefördert. Die Städte Isselburg, Bocholt, Rhede, Borken, Velen sowie der Kreis Borken tragen den kommunalen Kostenanteil in Höhe von 20 % zu gleichen Teilen.

Nach Abschluss der vertiefenden Machbarkeitsstudie erfolgt – vorbehaltlich der kommunalpolitischen Entscheidungen – die Beauftragung weiterführender Entwurfs-, Genehmigungs- und Ausführungsplanungen für einen ersten Abschnitt von Bocholt bis Rhede. Dies ist die planerische Grundlage für die Realisierung des Projektes. Hierfür ist nach Schätzungen des Landes NRW mit Kosten in Höhe von ca. 300.000 € zu rechnen, die wiederum zu 80 % durch das Land NRW gefördert werden. Die kommunalen Anteile sollen die Städte Bocholt und Rhede sowie der Kreis Borken tragen. Die Sparkassen Westmünsterland und Bocholt fördern die Planungen ebenfalls.

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Gehen die Investitionen in Regio.Velo zu Lasten anderer Verkehrsprojekte?

Die Förderung von Radschnellwegen hat die Landesregierung als einen wichtigen Baustein in ihrem im Februar 2012 beschlossenen Aktionsplan zur Förderung der Nahmobilität festgelegt. Insofern sind die Investitionen in die Radschnellwege in NRW eine Entscheidung, um in den nächsten Jahren „einen Quantensprung beim Radverkehr in NRW“ (NRW-Verkehrsminister Michael Groschek) zu erreichen.

Da die Mittel konkret der Radschnellwegeförderung dienen, stehen sie laut Landesregierung nicht in Konkurrenz zu anderen Maßnahmen im Bereich des Straßenausbaus oder der Förderung des Pkw-Verkehrs. Die Einführung von Radschnellwegen soll dabei auch ausdrücklich nicht zu Lasten des allgemeinen Radwegebaus und -unterhalts gehen. Eine Verringerung der verfügbaren Mittel für andere Verkehrsinfrastrukturprojekte durch die geplanten Radschnellwege ist insofern nicht ersichtlich.

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Wann kann mit dem Bau begonnen werden? Wann wird der Radschnellweg fertig sein?

Im Anschluss an die Ausführungsplanung könnte Ende 2016/Anfang 2017 – vorbehaltlich der kommunalpolitischen Entscheidungen – die Realisierung eines ersten Teilstücks Bocholt-Rhede erfolgen.

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Wo wird die Trasse innerhalb der Stadtgebiete verlaufen?

In den bisherigen Untersuchungen wurden grobe Trassenverläufe vorgeschlagen. Im Rahmen der vertiefenden Machbarkeitsstudie werden die konkreten Trassenverläufe erarbeitet und festgelegt. Dabei sollen bereits vorhandene Fahrradwege und -verbindungen für einen Ausbau genutzt werden, um Planungsaufwand und Kosten zu reduzieren.

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Macht der Radschnellweg durch seine Trassenführung eine spätere Reaktivierung der Bahnstrecke unmöglich?

Bahntrassen eignen sich aufgrund ihrer Linienführung und Topographie sehr gut für Radschnellwege. Solange die Bahntrasse noch im öffentlichen Eigentum ist, ist der Grunderwerb unproblematisch oder gar nicht erforderlich. Auch der Radschnellweg Regio.Velo soll vorrangig auf bzw. entlang einer ehemaligen Bahntrasse verlaufen.

Die Reaktivierung dieser Strecke für Bahnzwecke ist kurz- und mittelfristig kaum realistisch. Eher ist von einem Realisierungshorizont von mindestens 20 bis 25 Jahren auszugehen. Eine Reaktivierung der Bahnstrecke wird durch den Radschnellweg also nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Im Gegenteil: Es ist davon auszugehen, dass die bestehende Trasse nur durch eine tatsächliche Nutzung weiter für Mobilitätszwecke freigehalten werden kann.

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Bringt der Radschnellweg einen wirtschaftlichen Nutzen für die Region?

Einen wirtschaftlichen Nutzen bringt der Radschnellweg für fahrradaffines Gewerbe wie Fahrradhändler, Serviceeinrichtungen, touristische Betriebe etc. Der Radschnellweg eröffnet auch für die betriebliche Mobilität neue Möglichkeiten. Damit profitieren viele Unternehmen von Aspekten wie Gesundheitsförderung der Arbeitnehmer und Mitarbeiterbindung.Bei einer Realisierung des Radschnellweges profitiert die (regionale) Bauwirtschaft direkt durch die Vergabe von Bauaufträgen.

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Welchen Nutzen bringt der Radschnellweg für mich persönlich?

Vorteile für den Nutzer: Kostenersparnis, Gesundheitsförderung, Erweiterung des Radius für Fahrradmobilität, Zeitersparnis

"Anschaulich lässt sich der wirtschaftliche, aber auch der persönliche Nutzen wie folgt darstellen:

  • Die Erreichbarkeit der Stadt wird besser – Radfahrer sind schneller unterwegs, schneller im Zentrum als Autofahrer und Nutzer des ÖPNV.
  • Die Stadt ist wirtschaftlich gesünder – Radfahrer sparen Mobilitätskosten und machen in den Niederlanden einen Großteil der Supermarktkunden aus.
  • Radfahrer sind zu einem hohen Prozentsatz gut ausgebildete Menschen. Dadurch sind sie auch finanziell potente Kunden.
  • Die Kommune muss insgesamt weniger Geld in die Infrastruktur investieren, wenn sie in Radwege investiert. Das ist insbesondere bei knappen Kassen wichtig.
  • Menschen haben weniger Auto-Verluststunden (Stauzeiten) und mehr Fahrrad-Gewinnstunden (Bewegung, frische Luft)."

(Quelle: Bundesweiter Arbeitskreis Radschnellwege, 06. Dezember 2013)

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Warum wurde die Teilstrecke zwischen Velen und Coesfeld im Landeswettbewerb ausgeklammert? Wie geht es mit diesem Abschnitt weiter?

Die Jury hat im Landeswettbewerb Radschnellwege NRW den Streckenabschnitt von Isselburg über Bocholt, Rhede und Borken nach Velen ausgezeichnet. Den Abschnitt von Velen nach Coesfeld hat die Jury aufgrund der im Vergleich deutlich geringeren prognostizierten Nutzerzahlen weniger überzeugt. Die Projektträger betonen aber, im Rahmen der Regionale 2016 die gesamte Strecke weiter im Blick zu haben.

Für den Abschnitt von Isselburg bis Velen wird mit Unterstützung durch das Land NRW die vertiefende Machbarkeitsstudie erstellt. Aber auch am Abschnitt von Velen bis Coesfeld wird weiter gearbeitet. Dabei sollen andere Ausbaustandards geprüft und erarbeitet werden, wobei die Standards für Radschnellwege als Orientierung dienen.

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Ist ein Radschnellweg nicht nur ein teures Prestigeprojekt?

„Für das Geld, das alle geplanten Radschnellwege in NRW kosten, bekommt man noch nicht einmal eine Autobahnbrücke über den Rhein. Wer meint, solche Radschnellwege würden zu viel kosten, mit dem Geld könne man an anderer Stelle, beispielsweise in der Innenstadt, mehr erreichen, möge sich an Aufnahmen von Autobahnen aus 1950er Jahren erinnern: Linke Spur frei bis zum Horizont. Autobahnen wurden damals nicht gebaut, weil sich der Autoverkehr irgendwo massiv staute, sondern weil man diesen fördern wollte. Das Bahnnetz war damals so dicht, dass selbst im ländlichen Raum noch fast jeder Ort erreicht werden konnte. Dieser stark angebotsorientierte Neubau von Autobahnen, gepaart mit dem Nimbus von Modernität und Freiheit, haben einen Autoboom ohne Gleichen ausgelöst. Einen solchen Boom brauchen wir auch für das Rad. Einen solchen Fahrradboom wollen wir. Die Niederlande und Dänemark zeigen wie Radschnellwege, auch im Stadtzentrum, dem Radverkehr einen Schub geben können.“ (Quelle: ADFC NRW, Kreisverband Düsseldorf)

Das Beispiel des Autobahnbaus belegt die hohe Entwicklungsdynamik auf dem Feld der Mobilität. Waren derartige Konzepte damals noch völlig neu, so sind sie heute bewährte Realität. Insofern mögen auch Radschnellwege auf den ersten Blick „illusorisch“ erscheinen. In einigen Jahren könnten sie ein vielgenutztes Markenzeichen für die Region darstellen.

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